630km.

Ein Leben zwischen zwei Bahnsteigen. 630km, Eine Entfernung, die das Leben im Hier und Jetzt erschwert, Grenzen verwischt und wirkliches Ankommen zur ständigen Aufgabe macht. Kaum bin ich hier, verabschiede ich mich schon wieder, weil so viel auf mich wartet, im anderen Leben.

Im Süden, die Wurzeln, die mich daran erinnern, wer ich bin. Im Norden, der Wind, der mich weiterbringt.

Die eine Richtung bringt mich zu denen, die mich am Besten kennen, meiner Familie, meiner Vergangenheit, den vertrauten Orten und Menschen, die immer bleiben, auch wenn ich immer wieder gehe. Hoffentlich. Die andere Richtung bedeutet für mich Zukunft, frei sein, eigene Entscheidungen treffen und neue Wege gehen, ein Job, der mir mehr als nur Geld bringt, ein Studium was mich erfüllt, der Gedanke „das habe ich richtig gemacht“ immer und immer wieder. Auf diesen Weg bin ich stolz, er eröffnet mir Potential und er lässt mich nie zweifeln, denn egal wie oft ich falsch abgebogen bin, diese eine Sache hat sich immer richtig angefühlt.  

Das eine wurde mir gegeben, das andere habe ich mir genommen, Stück für Stück. 

3 Jahre. Fernbeziehung zu meinen Liebsten. Und dennoch hängt mein Herz an dieser Stadt, dennoch fühle ich mich dort zuhause und bin nirgends stärker und glücklicher. Die richtigen Menschen am falschen Ort. Der richtige Ort, doch es fehlen die Menschen. Auch wenn ich nicht alleine bin, es wird dennoch niemals so sein, als wenn ich alle bei mir hätte.


3 Jahre Studium - „Und danach, kommst du wieder?“. Eine Sache, die ich noch nie in Erwägung gezogen habe. So sehr ich auch vermisse, so sehr ich Angst habe, nicht mehr genug Zeit mit manchen Menschen haben zu können, so sehr es mich schmerzt, sie darunter leiden zu sehen, so sehr mein Herz daran hängt und sich fragt, ob es nicht bloßer Egoismus ist, so sehr das alles präsent ist, war mir doch immer klar, dass ich nicht mehr zurück kommen kann. Und will.

Jahre lang war ich gefangen, in Ängsten und Zweifeln, ohne Selbstvertrauen und Hoffnung, dass es mir je besser gehen wird. Es lag nicht an Jemanden, keiner hat mich da rein gestoßen, es lag alleine an mir. Ich war am falschen Ort, nicht da wo ich hingehöre, nicht in der Lage, voran zu schreiten, Ziele zu stecken und mich weiter zu entwickeln. War in einer grauen, schweren Wolke, die mich aus allen Richtungen erdrückt hat und trotz dass ich die tollsten Menschen um mich hatte, konnte ich mich nur in den Zug setzen und nach Norden fahren, den Regen aushalten und schlussendlich im Sonnenschein da stehen. Vor mir die Stadt und hinter mir der Halt meiner Familie. 

Es tut mir so weh, nicht zu wissen, wann ich das nächste Mal länger nach Hause komme, euch nicht sagen zu können, wann wir uns wieder sehen und nicht wissen, ob dann noch alle da sind oder ich es bereuen werde, so zu sein wie ich bin. 

Ich kann nur alles geben, dass wir uns nicht zu sehr vermissen, habe genug Platz im Herzen für zwei Zuhause und so viel Kraft darum zu kämpfen, dass wir uns nie fremd werden. Ich sehe zu oft Menschen, die in ihrem Egoismus alles wichtige vernachlässigen und später bereuen werden, nicht früher da gewesen zu sein. So bin ich nicht, so werde ich nicht sein, auch wenn es manchmal kompliziert ist, den Weg nehme ich auf mich. Um beides haben zu können, um alle zufrieden zu wissen.


…. und manchmal höre ich aus dem Satz „Meine Tochter wohnt in Hamburg“ auch ein wenig Stolz heraus und dann weiß ich, ihr verzeiht mir.

Kommentare

  1. Das Hast Du so schön ausgedrückt...natürlich musste ich wieder weinen, kennst mich ja, alles Schöne rührt mich zu Tränen.
    Ja Du hast Recht: Ich vermisse Dich hier in unserem Zu Hause. Aber trotzdem beneide ich Dich auch darum, daß Du diesen Schritt gegengen bist und gehst.
    Ich bin glücklich Dich glücklich zu wissen, würde nicht wollen daß Du woanderst bist. Da wo Du bist ist Dein Platz und in meinem Herzen bist Du immer präsent, da gibt es keine Distanz.
    Die Liebe verbindet, diese Verbindung wird sich niemals auflösen.
    Deine Mama

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